Interview mit “Rockenbolle”

 

Am Ende eines langen Redaktionstages klingelte plötzlich das Rote Redaktionstelefon und Rockenbolle waren in der Leitung.

„Moin Christian, hast du noch etwas Zeit für ein Interview?“

„Klaro Jungs!“ und schon ging das Interview auf dem virtuellen Sofa los, denn Corona lässt es ja nicht anders zu.

 

Moin Rockenbolle, stellt euch einmal vor damit die Leute wissen wer Ihr seid?

 

Ich bin Krille und haue in die Saiten und bin der Sänger

Moin, ich bin Kay und vermöble die Felle

Ich bin Olli zupfe den Bass und singe auch

 

Welche Erinnerungen verbindet Ihr mit eurer Kindheit?

 

Krille: Glenn Miller Story, Mana mana bibi bidi und Bud Spencer.

Kay: Egal wie das Wetter war, viel draußen, einfach mit Freunden im Wald, am See oder irgendwo auf einem Bauernhof rumtoben oder abhängen und natürlich das A-Team im Fernsehen. Das waren schon tolle Zeiten und schöne Erinnerungen.

Olli: Nena, Ein Colt für alle Fälle, Star Wars

Wann habt Ihr euch entschieden Musik zu machen?

 

Krille: Mir war in der Grundschule klar, dass ich Musik machen werde…nur nicht welche Richtung. Damals ging es sicher eher in Richtung Konzertmusik, später dann ab ca. 13 in Richtung Punkrock…später mit 25 mit Hardcore rumexperimentiert…alles natürlich erfolglos…erst mit der Mischung aus Rock und Punkrock ab 2005 mit Rockenbolle wurde es eine ernstere Angelegenheit.

Kay: So in meiner frühen Jugend. Da wollte ich unbedingt Gitarre spielen. Irgendwann haben meine Eltern mich zum Gitarrenunterricht an einer Musik Schule angemeldet. Leider war das nicht so toll, so mit klassischer Musik und so. Ich wollte ja lieber rocken.  Also habe ich das dann nach 1 Jahr wieder gelassen. Mein Onkel konnte auch Gitarre spielen, der hat mir das dann später etwas beigebracht. An die Drums bin ich erst gekommen, nach dem ich Olli kenngelernt habe. Wir hatten eigentlich ein Drummer gesucht und keinen gefunden. Im Übungsraum stand ein Set und ich habe es dann einfach mal versucht. Hörte sich bestimmt gruselig an, hat aber Mega Spaß gemacht.

Olli: Gar nicht, ich wurde mit Anfang 20 in einer Dorf Disco, wo ich gearbeitet habe, angequatscht ob ich Bock hätte in einer Band zu singen. Und das habe ich ausprobiert. Mit Krille habe ich später in einer Crossover/Hardcore Band zusammengespielt, das war 1998. 2000 habe ich dann Kay kennen gelernt und zuerst in einer Cover Band gespielt, irgendwann war uns klar, dass uns das nicht weiterbringt und wir haben uns zusammengetan und einen Gitarristen gesucht, um die Musik zu machen, die wir heute machen. Mit Krille war ich immer noch befreundet und er musste sich nicht lang bitten lassen. Das war Ende 2005 und die Geburtsstunde von Rockenbolle.

Wolltet Ihr die Musik schon mal ganz aufgeben?

Krille: Nein, ich habe sogar eine Ausbildung (Seefahrt) abgebrochen…klar, um mit meiner damaligen Freundin (und heute Frau) zusammen sein zu können, aber auch um wieder in einer Band spielen zu können, was mir auf See schnell fehlte.

Kay: Ich habe immer mal Pausen eingelegt aber ganz aufhören wollte ich nie. Nein.

Olli: Früher war mir die Mucke nicht so wichtig wie heute, da gab es zwischen den Bands auch mal längere Pausen. Heute ist Musik ein so wichtiger Teil meines Lebens, das ich mir ein Leben ohne Musik nicht mehr vorstellen kann.

Wenn es um Beziehungen geht, was war eure schlimmste Erfahrung?

 

Krille: An Bandmitgliedern festhalten, die es charakterlich einfach nicht bringen. Wenn man an bestimmten Typen festhält, ist irgendwann immer Schluss. Man hätte viel eher sein eigenes Ding machen müssen…lieber auf gute Musiker verzichten, als sich an irgendwelche Leute anzupassen.

Kay: mmmm…

Olli: Trennungen sind nie schön. Betrug und hintergangen werden noch weniger. Aber es ist ein natürlicher Lauf des Lebens, den sicher jeder in seinem Leben mindestens einmal erleben muss.

Klingt Zwar abgedroschen, doch wer sind eure Idole?

 

Krille: Klar kommt mir spontan Lemmy in den Sinn, der in den 80ern in die Heavy Metal Ecke gestellt wurde. Für mich war die “No sleep till hammersmith” quasi eine Offenbarung…von Idol zu sprechen geht sicherlich zu weit…Lemmy beleidigt vor laufender Kamera, ohne Alkoholeinfluss, seine Mutter und seinen Vater, und Frauen benutzt er wie Gegenstände, ohne schlechtes Gewissen, weil die Frauen es ja so wollten…nein, ganz sicher kein Idol, aber zu 100% jemand, mit dem man Musik machen möchte, und mit dem man mehrere Abende in einer Kneipe bei Whiskey-Cola verbringen möchte.

Kay: Das ist schwer, es gibt immer mal Menschen dessen Lebensweg und Idealismus zu bewundern sind. Wenn würde ich sagen, ist Lemmy jemand, dessen Lebensgeschichte ich spannend finde.

Olli: Menschen die weniger auf eigene Belange schauen und sich mehr um andere kümmern, ohne eine Gegenleistung zu erwarten.

 

Welches sind eure Lieblingsbücher?

Krille: Stephen King “ES” und “Der Wüstenplanet” von … keine Ahnung

Kay: Ein sehr gutes Buch finde ich ist „Blackout“ von Marc Elsberg. Gerade wenn man tagtäglich sich mit dem Thema beschäftigend, weiß man, dass alles was er schreibt passieren kann. Schon eine sehr erschreckende Erkenntnis.

Olli: Ich lese gerne Krimis.

Bei euch brennt es Zuhause, welche drei Dinge rettet Ihr auf jeden Fall vor den Flammen?

Krille: Meine Gibson SG, meine Gibson Les Paul, und meinen JCM900, weil ohne Röhrenverstärker helfen die Gits auch nichts.

Kay: Meine Familie, und natürlich mein Drum Set…. mmmmm. sind das nun zwei oder 15 Dinge? 🙂

Olli: Materielles ist zweitrangig, das wichtigste ist das meine Frau und unsere Kinder rauskommen.

Wenn man euch 1000 Euro schenken würde, was würdet Ihr damit spontan machen?

Krille: Mit 1000 Euro kann man heut zu Tage wenig anstellen. Eine Git, die 3 Gigs überleben soll, fängt bei 1000 Euro an…den Band Bus, wenn wir einen hätten, kannst Du 10 mal volltanken…und für die Bandraummiete langt es nicht mal für 5 Mieten…wir stecken so viel Kohle in die Musik, dass man von Leidenschaft sprechen muss…1000 Euro helfen nicht weiter, selbst wenn wir jeder 1000 = 3000 Euro zusammenlegen würden…

Kay: So spontan, ich weiß nicht. Vielleicht mit Rockenbolle die nächste EP aufnehmen …

Olli: Ich würde es für den nächsten Familien Urlaub verwenden.

Welche Alben würdet Ihr jmd. Andrehen den Ihr gar nicht mögt?


Krille: Iron Maiden “Seventh Son of a seventh son”

Kay: Helene Fischer … Aber bei meinem Glück ist das dann bestimmt noch ein Fan.

Olli: keine Ahnung

 

Gibt es ein Album, bei dem Ihr gern mal mitgewirkt hättet?

Krille: Iron Maiden “The number of the beast”…musikalisch in dem Genre eines der besten Alben überhaupt. Bei der Entstehung dabei zu sein, da zählen sicher auch die ersten Alben mit dazu, wäre sicher eine sensationelle Erfahrung gewesen…

Olli: Nein, das wäre anmaßend.

Welche Platte von euren Eltern hat euch dazu gebracht, Musik zu machen?

Krille: Elvis Presley “Best of…”

Kay: Oh, ich glaub die Inspiration zur Musik kam mehr aus der Musik im Freundeskreis. Mit den Ärzten, ACDC, Metallica, Halloween, Iron Maiden, Deep Purple, Led-Zeppelin usw.

Olli: Selbst, wenn ich diese Entscheidung damals hätte treffen können, wäre diese auf keinen Fall von dem Musikgeschmack meiner Eltern beeinflusst worden.

Welche Platten eurer privaten Sammlungen verdienen das Prädikat „Peinlich“?


Krille: Vater Abraham und die Schlümpfe

Kay: Keine. Ich stehe zu dem was ich mal gehört habe. Lach…

Olli: Ähhh… Habe ich bestimmt schon weggeworfen.

Habt Ihr vor Auftritten Lampenfieber?

Krille: Nicht mehr so, dass die Hände zittern…aber aufregend ist es immer, weil man nie genau weiß, was passieren wird…und damit ist die Reaktion der Leute gemeint…wenn der Funke überspringt, dann peitscht sich das ganze gegenseitig hoch…es ist also eher eine “Angst” davor, dass der Funke nicht überspringt…aber mit Olli als Frontman kann das eigentlich gar nicht passieren !!!!

Kay: Mittlerweile nicht mehr so heftig aber etwas Kribbeln im Bauch gehört ja immer dazu.

Olli: Danke an Krille für die Blumen ;-). Ja eine gewisse Grundaufregung ist immer da, bei mir meistens kurz bevor es los geht und am Anfang, spätestens nach einem Song bin ich aber drin.

Wenn Ihr die Welt verändern könntet, was würdet Ihr ändern?

 

Krille: Es würde global eine soziale, demokratische Marktwirtschaft eingeführt, in der der Vietnamese genau so viel verdient wie der Peruaner und der Deutsche…

Kay: Die Menschen… Das weniger Habgier, dafür aber mehr Respekt, Hilfsbereitschaft, Verständnis und Rücksicht ihren Platz finden.

Olli: Die Weltherrschaft übernehmen und alle Nazis vom Planeten verbannen.

Wenn Ihr sterbt, wo sollte man euch beerdigen? Friedhof zählt nicht als Antwort!!!

Krille: Verbrennen und die Asche in die Nord- oder Ostsee kippen…

Kay: In der See… Eine Seebestattung. Nicht eingesperrt in einer Kiste, sondern Freiheit…. Außerdem bin ich sehr gerne der See.

Olli: Krille + Kay das wollte ich schon 😉 … Vielleicht eine Bandbestattung 😉

Wenn Ihr euch ein Tattoo stechen lassen würdet, was würde niemals eure Haut zieren?

Krille: Das Gesicht irgendeiner Person, und Pflanzen.

Kay: Da bin ich noch Jungfrau..… Tattoos waren für mich bisher nicht wichtig.

Olli: Nazi Symbole.

Gibt es bei einem von euch ein Tattoo was ihm peinlich ist und wenn ja welches ist es?

Krille: Das konnte in letzter Sekunde verhindert werden…

Kay: keine Antwort

Olli: Nein, ich bin der einzige der tätowiert ist von uns Dreien und mir ist keins peinlich.

Nennt drei Höhepunkte und Tiefpunkte eurer Karriere?

Krille: Von echten Höhepunkten können wir sprechen, wenn wir einmal erfolgreich auf einem größeren Festival gespielt haben…zur Zeit waren es sicher die Club Gigs im “De Pütt” in Leer, die Gigs im Blackland (Berlin) und unsere ganzen Gigs auf dem Kiez (Reeperbahn HH), insbesondere zu nennen das Clochard, dass Corona bedingt leider nicht mehr existiert…

Kay: Ich finde das war wir drei bisher als ROCKENBOLLE zusammen gemacht und erlebt haben ist ein Höhepunkt. Jeder Gig hat seine Reiz und ist auf seine Weise einzigartig. Somit ist jeder Auftritt irgendwie auch immer ein kleiner Höhepunkt. Der Tiefpunkt ist für mich, dass jetzt durch Corona keine Gigs mehr stattfinden. Die Folgen gerade für die Clubbetreiber und Berufsmusiker/Künstler sind schon dramatisch. Die Szene wird sich dadurch sicher erstmal verändern. Ich hoffe, dass es sich schnell wieder zum Guten wendet.

Olli: Von Karriere kann man nicht direkt sprechen, für mich ist ein Höhepunkt das Krille, Kay und ich bereits seit 15 Jahren zusammen Rockenbolle bilden und das wir wie Brüder sind, ist heutzutage sicher nicht selbstverständlich.

Welche Platte würdet Ihr einer Frau bei einem Date vorspielen, um Ihr Herz zu brechen?
Krille: Nellie the Elephant…ein rührender Song über einen kleinen Elephanten, der aus dem Zirkus ausbricht…hier bleibt kein Auge trocken…

Kay: Ohh. bisher hat es auch ohne spezielle Musik ganz gut geklappt.

Olli: Bin völlig aus der Übung.

Welches ist euer bis dato unerfüllter Lebenswunsch?


Krille: Als Band sicherlich mal zu einer fortgeschrittenen Zeit auf einem größeren Festival zu spielen

Kay: Ich kann gar nicht sagen, dass ich einen unerfüllten Lebenswunsch hätte. Bis jetzt habe ich so gelebt, wie ich wollte. Ich habe sicher auch viel Glück gehabt aber auch oft das gemacht, was mir Spaß macht.

Eine ROCKENBOLLE Welttournee wäre vielleicht noch ein Traum… lach…

Olli: Schließe mich Krille an, allerdings muss das wegen mir nicht erst zu fortgeschrittener Zeit sein.

Was denkt Ihr über die aktuelle Lage in der Welt?

Krille: Es ist für alle Musiker eine katastrophale Situation…wir haben den Vorteil gegenüber professionellen Bands, dass wir nicht von der Musik leben müssen…aber die Szene wird nie mehr das sein, was sie war, und das ist wirklich sehr traurig…gerade in Hamburg, wo die Kulturszene durch Private geschaffen und am Leben gehalten wurde. In der Zukunft besteht Kultur dann aus beschissenen Musicals und Mainstream-Theater? Ich kriege das Kotzen, wenn ich an diese Welt denke…ich hoffe, dass die Clubszene in Hamburg sich aus sich selbst heraus neu entwickeln kann, und nicht alles an Investoren verscherbelt wird…das wäre auch das Ende für Bands wie uns…

Kay: Die Welt ist gruselig da draußen, sehr angespannt und wird in vielen Ländern von Populisten und Egoisten regiert. Ich bin da ganz froh in Deutschland zu leben. Uns geht es in Deutschland im Vergleich zu anderen noch ganz gut.

Olli: Ich finde die aktuelle Flüchtlingspolitik furchtbar. Es geht um Menschenleben und die Länder streiten sich ob und wer wie viele noch aufnimmt. Ich finde Trump völlig unmöglich. Ich finde die Afd und alle rechtsorientierten ganz gruselig. Und Corona ist die Rache der Natur. Das ist unser schlechtes Karma, wir bekommen alles zurück.

Welche Beschallung wünscht Ihr euch auf eurer Beerdigung?

Krille: Requiem von Mozart auf verzerrten E-Gitarren gespielt

Kay: Ohh.  Da habe ich mir keine Gedanken zu gemacht.

Olli: Motörhead … Dann wird das wohl doch nichts mit der Bandbestattung … lach ….

In welchem Song lässt sich eure Band am besten Zusammenfassen?

Krille: Way of Life

Kay: Way of life oder PikAs die beschreiben ganz gut, warum wir das so lieben was wir machen.

Olli: Davon haben wir mittlerweile mehrere … Cowboys aus der Hölle, PikAS, Überschallblues und natürlich Way of Life.

Wenn wir euch ein Getränk spendieren würden, welches wäre das?

Krille: Ganz klar…Pils!

Kay: Ein Bier natürlich.

Olli: Wenn ich noch fahren muss, was alk Freies. Wenn nicht Jackie Cola. Oder auch ein Pils 😉

Vielen Dank für das Interview und man sieht sich hoffentlich bald wieder Live, wenn Corona es zulässt. Hier noch ein Song von den Jungs

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